Durch neueste Erkenntnisse über die Physiologie der Embryonen sind verbesserte Kulturmedien entwickelt worden, die eine in vitro Kultivierung bis zum Blastozystenstadium erlauben.
Brutschrank und Kultur - Schälchen für Embryonen
Diese Medien minimieren das Risiko des Verlustes der Lebensfähigkeit der Embryonen, wie dies früher oft bei verlängerter In vitro Kultur beobachtet wurde.
Folgende Medien werden für die Kultur verwendet:
1. Sequentielle Medien
Diese Medien folgen dem Prinzip „Back to Nature“
- Medium I zur Kultivierung bis zum Tag 3 (8-Zell-Stadium). Jede Blastomere existiert wie ein einzelliger Organismus.
- Medium II für die Embryo - Kultur nach der Kompaktierung (Morula - Stadium) bzw. Aktivierung der Gene vom Samen des Mannes (paternaler Effekt). Die ersten Zell Verbände entstehen im Embryo, eine Kommunikation innerhalb der Blastomeren baut sich auf.
Der völlig unterschiedliche Stoffwechsel der Embryonen vor und nach dieser Kompaktierung wird durch diese Medien berücksichtigt.
2. KSOM Medien
Einfaches Optimiertes Medium (sogenanntes „Let the Embryo Choose”- Medium) oder „KCl-angereichtertes Simplex Optimisation Medium“ (KSOM).
Nach intensiven Forschungen über den Bedarf der Eizellen und Embryonen während der ersten Tage in Kultur, wurde ein einfaches optimiertes Medium (sogenanntes „One-Step“-Protokoll) entwickelt.
Internationale klinische Studien zeigen klar, dass solch ein Medium die Entwicklung menschlicher Embryonen bis zur
Blastozyste unterstützt. In einer großangelegten prospektiven Studie konnte gezeigt werden, dass die höchsten Schwangerschaftsraten resultieren, wenn die Kultur mit einer Mischung von beiden Medien (Sequentielles Medium + KSOM) vorgenommen wurde.
Jeder Embryo hat offensichtlich "Präferenzen", welche man allerdings noch nicht kennt. Mit diesen Techniken versucht man daher, die Vorteile der einzelnen Medien voll auszunützen und die Schwangerschafts - Raten zu optimieren!
Wünschenswert ist es, die Embryonen bis zum Tag 5 (Blastozysten - Stadium) in Kultur zu halten. Damit sind folgende Vorteile verbunden:
- Kultur der besten Embryonen: mit dieser Kulturtechnik können jene Embryonen zum Transfer verwendet werden, welche ein optimales Entwicklungspotential zeigen.
Patienten mit gewissen chromosomalen
Translokationen können ebenfalls von der Technik der Blastozysten - Kultur profitieren. Da sich Embryonen, die mit einer speziellen Translokation befallen sind, in den ersten Entwicklungsstufen bei verlängerter Kultur oft nicht weiterentwickeln, besteht mit der Kultur zur Blastozyste die Möglichkeit, einen aktiven Embryo auszuwählen und damit die Chance für die Geburt eines gesunden Kindes zu erhöhen.
Unter diesem Aspekt ist auch eine Blastozysten - Kultur bei Frauen über dem 38. Lebensjahr sinnvoll. Das Risiko einer Aneuplodie (unterschiedliche Chromosomenzahl) nimmt mit dem Alter der Frau zu und Embryonen mit Aneuploidien neigen dazu, sich nach dem Tag 3 nicht weiterzuentwickeln. Durch den Transfer von einem bis zwei Embryonen im Blastozystenstadium erreicht man höhere Implantationsraten.
Ein weiterer großer Vorteil des Transfers am Tag 5 liegt in der verminderten Kontraktion des Uterus ab dem Tag 5. Damit wird verhindert, dass die in die Gebärmutter zurück gesetzten Embryonen vermehrt ausgestoßen werden. In einer wissenschaftlichen Arbeit wurde dies anhand von Messungen der Kontraktionen in der Gebärmutter eindeutig bewiesen.
Literatur